Libero im Fußball – Aufgaben und Position

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Der Libero im Fußball ist die Position des freien Spielers mit Offensiv- und Defensivaufgaben. Das heißt, Liberos haben keine direkten Gegenspieler, anders als die früher üblichen Manndecker. Als Erfinder des Liberos gilt gemeinhin der erfolgreiche Schweizer Fußballtrainer Karl Rappan, der in den 1930er Jahren den sogenannten „Schweizer Riegel“ erfand. Hier handelte es sich um ein Spielsystem mit 4 Verteidigern, einem sehr defensiven Mittelfeldspielern, 2 offensiveren Mittelfeldspielern und drei Stürmern (2 Außenstürmer und 1 Mittelstürmer). Es ergibt sich also ein 4-3-3 System mit eine 1-2- Aufstellung im Mittelfeld. Die „4“ wieder teilt sich auf in einen Libero und drei Manndecker (1-3).

Bild von Adriana gois auf Pixabay

Später war der Libero dann im sehr verbreiteten 3-5-2 System (ein Libero, zwei Manndecker) gebräuchlich. Das gilt vor allem im Fußball außerhalb Großbritanniens.

Berühmte Vertreter der Position des Libero:

  • Franco Baresi (IT)
  • Franz Beckenbauer (D)
  • Ronald Koeman (NED)
  • Lothar Matthäus (D)

Als der Inbegriff und entscheidenden Weiterentwickler des Liberos gilt vielen Franz Beckenbauer. Er hat der Position großen Glanz verliehen. Als „spielender Libero“ mit großen technischen Fähigkeiten bestimmte er das Angriffsspiel des FC Bayern München und der Deutschen Fußballnationalmannschaft in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Gleichzeit sorgte er mit seinem hervorragenden Auge und Stellungsspiel für defensive Stabilität. Insgesamt hob er sich damit deutlich ab von der davor üblichen Rolle des Liberos als Ausputzer, der nur defensive Aufgaben hat.

Hauptaufgaben: vor und hinter der Abwehr

Zunächst war die Aufgabe des Liberos die Absicherung der anderen Abwehrspieler / Manndecker, so dass bei verlorenen Zweikämpfen noch eingegriffen werden konnte. Außerdem hat der Libero die Aufgabe, räumliche Lücken hinter der Abwehr zu schließen und durchgesteckte Bälle abzulaufen. Problem war hier, dass er alleine nur wenig Breite abdecken konnte. Das bedeutet, dass bei Querspiel vor der Abwehr und dann schnellem Spiel in die Tiefe kein Eingreifen mehr möglich war. Gleichermaßen hob ein Libero durch seine abgesetzte Position tendenziell immer wieder Abseitspositionen auf.

Sonst oblag ihm die Steuerung des Abwehrverhaltens der gesamten Mannschaft durch gezielte Kommandos (schieben, tiefer, raus, enger). Durch die abgesetzte Liberoposition hatte er einen sehr guten Überblick über die Spielsituation und war näher dran als beispielsweise der Torwart.

Ankurbeln des Angriffsspiels, indem er sich ins defensive Mittelfeld verschiebt und hier eine zusätzliche Anspielstation schafft. So ergibt sich eine situative Überzahl im Mittelfelf, die dann für Kombinationsspiel genutzt werden kann.

Der Libero im modernen Fußball

Der Libero wird im modernen Fußball als Rolle nicht mehr relevant. Allerdings sind seine Verhaltensweisen natürlich immer noch wichtig für die heutigen Innenverteidiger, defensiven Mittelfeldspieler und des Torwarts (!):

  • Absicherung der anderen Verteidiger
  • Lücken zulaufen, um Räume zu verengen und Steilpässe zu verhindern
  • Spielaufbau, lenken des Angriffsspiels, Beteiligung am Angriffsspiel
  • Dirigieren der Abwehr bzw. der Mannschaft im Defensivverbund

Insofern werden die Innenverteidiger jeweils zu situativen Liberos, wenn auch nicht so tief, wie es früher oft der Fall war. Gleiches gilt für den Torwart, der deutlich höher spielt als früher und dadurch eingreifen kann, wenn ein Ball durch die Lücken in der Abwehrkette gespielt wird. So ermöglicht er seiner Mannschaft, kompakter zu spielen, da der Defensivverbund eine Reihe weniger hat. Denn immer öffnet man ja einen Raum, wenn man einen anderen schließt (wie beim Mühle-Spiel). Deckt man also die Tiefe besser ab, hat der Gegner ggf. in der Breite Räume. Das ist natürlich auch abhängig von der Geschwindigkeit, mit der die Mannschaft und einzelne Spieler Räume anlaufen.

Den Libero gibt es also nicht mehr, aber viele Elemente des Libero-Spiels sind nach wie vor wichtig im modernen Fußball.