Der berühmte Libero im Fußball: Position und Aufgaben

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Der Libero im Fußball ist die Position des freien Spielers (meist) hinter der Abwehr. Er hat abwechslungsreiche Offensiv- und Defensivaufgaben. Liberos haben keine direkten Gegenspieler, anders als die früher üblichen Manndecker. Als Erfinder des Liberos gilt vielen der Schweizer Fußballtrainer Karl Rappan. In den 1930er Jahren erfand er den „Schweizer Riegel“:

Hier handelte es sich um ein Spielsystem mit 4 Verteidigern, einem defensiven Mittelfeldspieler, 2 offensiveren Mittelfeldspielern und drei Stürmern (2 Außenstürmer, 1 Mittelstürmer). Damit ergibt sich also ein 4-3-3 System mit eine 1-2- Aufstellung im Mittelfeld. Die „4“ wieder teilt sich auf in einen Libero und drei Manndecker (1-3).

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Später war der Libero dann im sehr verbreiteten 3-5-2 System (ein Libero, zwei Manndecker) gebräuchlich. Das gilt vor allem im Fußball außerhalb Großbritanniens.

Berühmte Spieler auf der Position des Libero:

Als der Inbegriff und entscheidenden Weiterentwickler des Liberos gilt vielen der deutsche Nationalspieler Franz Beckenbauer. Er hat der Position großen Glanz verliehen. Als „spielender Libero“ mit großen technischen Fähigkeiten bestimmte er das Angriffsspiel des FC Bayern München und der Deutschen Fußballnationalmannschaft in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Gleichzeit sorgte er mit seinem taktischen Auge und Stellungsspiel für defensive Stabilität. Insgesamt hob er sich damit ab von der davor üblichen Rolle des Liberos als Ausputzer, der nur defensive Aufgaben hat.

Libero-Position und Hauptaufgaben: vor und hinter der Abwehr

Was sind oder waren also die Aufgaben des Libero? – Zunächst war die Aufgabe des Liberos die Absicherung der anderen Abwehrspieler / Manndecker. Bei verlorenen Zweikämpfen konnte er noch eingreifen. Außerdem hatte der Libero die Aufgabe, räumliche Lücken hinter der Abwehr zu schließen. So kann er Steilpässe ablaufen. Problem war hier, dass er alleine nur wenig Breite abdecken konnte. Das bedeutet, dass bei Querspiel vor der Abwehr und dann schnellem Spiel in die Tiefe kein Eingreifen mehr möglich war. Gleichermaßen hob ein Libero durch seine abgesetzte Position tendenziell immer wieder Abseitspositionen auf.

Sonst oblag dem Libero als Abwehrchef die Steuerung des Abwehrverhaltens der gesamten Mannschaft durch gezielte Kommandos (schieben, tiefer, raus, enger). Durch die abgesetzte Liberoposition hatte er Überblick über die Spielsituation und war näher dran als der Torwart.

Offensiv war die Aufgabe des Liberos das Ankurbeln des Angriffsspiels. Wenn er sich ins defensive Mittelfeld verschob, gab es eine zusätzliche Anspielstation. So ergibt sich eine situative Überzahl im Mittelfeld, die dann für Kombinationsspiel genutzt werden kann.

Position Libero im modernen Fußball

Der Libero wird im modernen Fußball als Rolle nicht mehr relevant. Allerdings sind seine Verhaltensweisen natürlich immer noch wichtig für die heutigen Innenverteidiger, defensiven Mittelfeldspieler und des Torwarts (!):

  • Absicherung der anderen Verteidiger
  • Lücken zulaufen, um Räume zu verengen und Steilpässe zu verhindern
  • Spielaufbau, lenken des Angriffsspiels, Beteiligung am Angriffsspiel
  • Dirigieren der Abwehr bzw. der Mannschaft im Defensivverbund

Insofern werden die Innenverteidiger jeweils zu situativen Liberos. Sie spielen aber nicht so tief, wie es früher der Fall war. Gleiches gilt für den Torwart, der deutlich höher spielt als früher und dadurch eingreifen kann, wenn ein Ball durch die Lücken in der Abwehrkette gespielt wird. So ermöglicht er seiner Mannschaft, kompakter zu spielen, da der Defensivverbund eine Reihe weniger hat. Denn immer öffnet man ja einen Raum, wenn man einen anderen schließt (wie beim Mühle-Spiel). Deckt man also die Tiefe besser ab, hat der Gegner ggf. in der Breite Räume. Das ist natürlich auch abhängig von der Geschwindigkeit, mit der die Mannschaft und einzelne Spieler Räume anlaufen.

Den Libero gibt es also nicht mehr, aber viele Elemente des Libero-Spiels sind nach wie vor wichtig im modernen Fußball.