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Aufwärmen im Kinderfußball

Im Kinderfußball gelten mithin andere Regeln als im Erwachsenenfußball. Das gilt für die Ansprache der Kleinen, für die Trainingsinhalte und auch für die Struktur des Trainings. Vor allem auch beim Aufwärmen sollte man die Unterschiede zwischen Kinderfußball und Erwachsenenfußball sehr ernst nehmen. Dieser Artikel soll einen Überblick bieten und verweist an vielen Stellen auf themenspezifische Artikel in diesem Blog. Kinderfußball wird hier verstanden als Bambini, F-Junioren und E-Junioren.

Aufwärmen im Kinderfußball, eine Gruppe Kinder mit Fußbällen

Was bringt Aufwärmen im Kinderfußball?

Im Kinderfußball geht es beim Aufwärmen darum, dass die Kleinen schon einmal aktiviert sind für die nächsten Trainingsinhalte. Das heißt, sie sind motiviert, mitzumachen und der Körper ist ein bisschen auf Bewegung eingestellt. Das gilt vor allem bei Bambini- und F-Junioren-Mannschaften.

Der Aspekt, die nächsten Trainingsinhalte auch inhaltlich einzuleiten, ist zwar mit steigendem Alter (ab 2. Jahr E-Junioren) auch relevant, aber bei weitem nicht so wichtig wie im Erwachsenenfußball. Das Aufwärmen kann deshalb auch immer wieder aus freier Bewegung bestehen, die man in kleine Ball-, Fang- und Laufspiele verpackt.

Warum Kinder anders Aufwärmen?

Hier liegt ein entscheidender Unterschied zum Erwachsenenfußball. Statt in einer festgelegten Reihenfolge alles nach und nach abzuarbeiten, ist zunächst insgesamt wichtig, dass die kleinen Kicker einfach in Bewegung sind und sich viel mit dem Ball beschäftigen. Die Bewegung sollte vielseitig sein.

Das bedeutet, verschiedene Laufarten (vorwärts, rückwärts, seitwärts), Sprünge (einbeinig und beidbeinig) und andere Bewegungen wie Purzelbaum, Spinnenlauf, Rollen auf dem Boden, Setzen und Aufstehen sollten geschickt in das Training eingebaut werden.

Von der allgemeinen motorischen Ausbildung profitieren die Kinder ihr ganzes Leben lang. Und auch wenn es sich im Fußballtraining um Fußball drehen sollte, kann man hier als Trainer – vor allem auch im Aufwärmen – seinen Beitrag leisten. Dazu gehört auch, Übungen aus dem Lauf-ABC gut dosiert einzubauen.

Lauf ABC im Kinderfußball

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass etwa das Grundlagentraining in der Leichtathletik, das auch das Lauf-ABC beinhaltet hervorragend geeignet ist, Kindern Bewegungsabläufe zu erleichtern und ihnen dadurch auch sportartspezifische Bewegungen beizubringen.

In relativ kurzer Zeit Laufen Kinder viel ökonomischer und insgesamt „runder“ und können besser springen. Davon profitieren sie auch im Fußball. Das gilt vor allem für die Schnelligkeitsleistungen, die – sollte ein Kind später mal in Richtung Leistungsfußball gehen – hoch relevant sind. Mit einem schlechten Laufstil haben die Kinder hier deutliche Nachteile, von den möglichen körperlichen Spätfolgen mal abgesehen.

Motorische Anforderungen können fast in jedem Fall auch mit Ballübungen zum Aufwärmen verbunden werden. Der Ball steigert die Anforderungen noch zusätzlich und macht das ganze interessanter.

Was sind gute Übungen zum Aufwärmen mit Kindern?

Ganz hervorragend eignen sich zum Aufwärmen bei den kleinen Kickern Geschicklichkeitsspiele mit Bewegungsaufgaben, Fangspiele, Staffelläufe, Parcours mit Ball und Technikquadrate.

Bewegungsspiele

Auf Zuruf vom Trainer bestimmte Tiere und ihre typischen Bewegungen mit vollem Körpereinsatz nachmachen (Kuh, Löwe, Affe, Schlange, Elefant, Adler etc.). Darauf achten, dass Bewegungen im Laufen, im Krabbeln und im Robben dabei sind, wenn der Platz es zulässt. Der Ball kann mitgenommen werden. Der Elefant hat ihn z. B. im Rüssel zwischen beiden Händen, der Affe unter einem Arm.

Auch ein altes Spiel wie Feuer – Wasser – Sturm kann man hier sehr gut einsetzen.

Fangspiele

Fangspiele erhöhen die Intensität und bringen neue Varianten in die Bewegungsabläufe. Viele Stopps, Antritte und Seitwärtsbewegungen schaffen ein abwechslungsreiche Bewegungsanforderungen im Aufwärmen.

Bei Kindern ist es auch meist kein Problem, Fangspiele schon zu Beginn des Aufwärmens einzusetzen, weil hier kaum ein Risiko für typische Muskelverletzungen wie Zerrungen besteht.

Eine Form des Fangspiels mit Ball ist etwa das Freilaufspiel auf Ballhalten, das man ab der E-Jugend durchaus auch nutzen kann.

Staffelläufe

Eine sehr gute Aufwärmübung sind Staffelläufe, bei denen Bälle oder andere Materialien transportiert und übergeben werden müssen. Dabei lässt sich hervorragend die Geschicklichkeit schulen. Als hilfreiche Materialien kann man Hütchen, Stangen, Rugby-Bälle, Tennisbälle oder auch große Pezzibälle verwenden.

Man kann die Art der Bewegung (Laufen, Krabbeln, Springen, etc.) und die Form des Balltransports (eine Hand, vor oder hinter dem Rücken, über dem Kopf, mit dem Fuß, …) vorgeben und variieren.

Parcours mit Ball

Parcours mir Ball fördern die Technik und Bewegungsgeschicklichkeit. Noch dazu sorgen sie dafür, dass die Koordination geschult wird dergestalt, dass sich die Spieler auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren müssen (Ballposition, Abstand zum Hütchen, Technikaufgabe). Sie sollten nicht zu kompliziert sein, so dass sie auch schnell aufzubauen sind. Die nächsten Aufgabe sollte man immer erst geben, wenn die vorherige von allen Spielern ausreichend umgesetzt wurde.

Als Trainer kann man auch mehrere Parcours aufbauen und die Spieler in leistungshomogene Gruppen aufteilen, so dass die Spieler individueller gecoacht werden können. Das ist ein wichtiger Aspekt, wenn man jeden Spieler auf seinem Niveau weiterbringen will und bei den Kinder auch für Erfolgserlebnisse sorgen möchte.

Technikquadrat

Das Technikquadrat ist eine sehr gute Organisationsform, um im Aufwärmprogramm gezielt Technikübungen einzusetzen. So kann man über alle Niveaustufen hinweg das Techniklernen und -üben veranbringen.

Hier müsst ihr als Trainer in möglichst kleinen Gruppen arbeiten, um eure Spieler einzeln coachen zu können. Am besten teilt man größere Gruppen auf mehrere Quadrate auf und stellt ihnen jeweils einen Trainer zur Seite. Ist man alleine, sollte man nach und nach mit allen Quadraten arbeiten.

Allgemeine Tipps zum Aufwärmen mit Kindern

Im Idealfall schafft ihr es als Trainer, eine gute Mischung zwischen Abwechslung und Routine herzustellen. Das heißt, nicht jedes Training etwas Neues zu machen, aber Übungen auch nicht so oft durchzuführen, dass es langweilig wird. Ob es soweit ist, mal wieder etwas Neues zu machen, merkt man den Spielern oft an, weil sie nicht mehr bei der Sache sind.



Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.