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Dropout im Jugendfußball: Warum wir viele Spieler ab der C-Jugend verlieren – und welche Rolle die Ausbildung davor spielt

Wenn Jugendliche mit 13, 14 oder 15 Jahren plötzlich mit dem Fußball aufhören, wird häufig die Pubertät verantwortlich gemacht. Andere Interessen, schulische Belastungen, Computerspiele oder fehlende Motivation gelten als typische Erklärungen. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Oft beginnt das Problem bereits Jahre früher – in der E- und D-Jugend. Dort, wo Trainer die Grundlagen für die weitere fußballerische, athletische und persönliche Entwicklung legen sollten.

Der sogenannte Dropout gehört zu den großen Herausforderungen im Jugendfußball. Gerade im Übergang von der D- zur C-Jugend und während der folgenden Jugendjahre verlieren Vereine Spieler, die zuvor teilweise über viele Jahre regelmäßig trainiert haben.

Natürlich verändern sich in diesem Alter die Lebensumstände. Freundschaften, Schule, körperliche Entwicklung und neue Freizeitinteressen gewinnen an Bedeutung. Das ist normal und gehört zur Entwicklung Jugendlicher. Aber erklären diese Veränderungen tatsächlich, warum so viele Jugendliche dem Vereinsfußball den Rücken kehren? Oder müssen sich Vereine und Trainer auch fragen, ob sie ihren Teil zu dieser Entwicklung beitragen?

Warum Jugendliche mit dem Fußball aufhören: Was die Wissenschaft sagt

Die Ursachen für den Dropout im Jugendfußball sind wissenschaftlich untersucht worden. Die Forschung zeigt dabei ein relativ klares Bild: Es gibt nicht den einen Ausstiegsgrund. Vielmehr wirken persönliche, soziale und sportliche Faktoren zusammen.

Besonders aufschlussreich ist eine vom Deutschen Fußball-Bund veröffentlichte Untersuchung von Prof. Iris Pahmeier und ihrem Forschungsteam. In einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 wurden 733 aktive Fußballer und 296 ehemalige Fußballer untersucht.

Dabei zeigte sich, dass die weiterhin aktiven Spieler unter anderem folgende Merkmale stärker aufwiesen:

  • Ein positiveres Selbstbild hinsichtlich der eigenen sportlichen Fähigkeiten
  • Größeres Vertrauen in die eigenen fußballerischen Kompetenzen
  • Eine positivere Wahrnehmung der Unterstützung und Fürsorglichkeit durch ihre Trainer
  • Einen stärkeren sozialen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft

Besonders interessant ist das Zusammenspiel dieser Faktoren.

Wer das Gefühl hat, fußballerisch mithalten zu können, erlebt häufiger Selbstvertrauen und sportliche Zufriedenheit. Wer sich zudem durch seinen Trainer unterstützt fühlt und in der Mannschaft anerkannt ist, hat gute Voraussetzungen, dem Fußball langfristig treu zu bleiben. Umgekehrt können Unsicherheit über die eigenen Fähigkeiten, geringe Wertschätzung und fehlender Mannschaftszusammenhalt einen Ausstieg begünstigen.

Eine systematische Übersichtsarbeit von Back und Kollegen aus dem Jahr 2022 bestätigt diese Zusammenhänge. Die Wissenschaftler werteten 16 prospektive Studien mit insgesamt 6.304 jugendlichen Mannschaftssportlern aus. Motivation, sportliche Erfahrungen, die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse und das soziale Umfeld erwiesen sich als wichtige Faktoren für den Verbleib im Sport. Auch technische Fähigkeiten waren relevant.

Die zentrale Erkenntnis: Die Entscheidung, mit dem Fußball aufzuhören, ist häufig nicht unabhängig davon, wie Jugendliche ihre eigenen Fähigkeiten, ihre sportliche Entwicklung und ihre Rolle innerhalb der Mannschaft wahrnehmen.

Der soziale Dropout beginnt manchmal mit fußballerischen Problemen

Stellen wir uns einen durchschnittlich talentierten Spieler vor, der seit der F-Jugend Fußball spielt. In der E-Jugend hatte er viel Spaß. In der D-Jugend war er regelmäßig beim Training. Vielleicht gehörte er nie zu den besten Spielern, aber er war ein fester Bestandteil seiner Mannschaft. Mit dem Wechsel in die C-Jugend verändert sich die Situation.

Das Spielfeld wird größer. Gegner handeln schneller. Das Zweikampfverhalten wird intensiver. Die taktischen Anforderungen steigen. Entscheidungen müssen unter höherem Zeit- und Gegnerdruck getroffen werden. Plötzlich treten Defizite auf, die vorher kaum aufgefallen sind.

Die Ballannahme dauert zu lange. Der erste Kontakt führt nicht in eine günstige Spielrichtung. Der Spieler braucht zu viel Zeit, um eine Passentscheidung zu treffen. In Zweikämpfen fehlt die nötige Bewegungssicherheit. Beim Antritt verliert er Meter.

Die Folgen sind nachvollziehbar. Der Spieler verliert häufiger den Ball, wird seltener angespielt oder muss sich auf eine Position beschränken, auf der seine Schwächen weniger auffallen. Vielleicht bekommt er weniger Einsatzzeit. Vielleicht erhält er häufiger Kritik. Sein Selbstvertrauen nimmt ab.

Aus dem früheren Mannschaftskameraden, der gern zum Training gekommen ist, wird langsam ein Spieler, der sich sportlich nicht mehr zugehörig fühlt. Irgendwann fehlt er häufiger beim Training. Wenige Monate später meldet er sich ab. Die offizielle Begründung lautet vielleicht: keine Lust mehr auf Fußball.

Der eigentliche Prozess kann aber schon viel früher begonnen haben – mit fehlenden Fähigkeiten, sinkenden Erfolgserlebnissen und zunehmender sozialer Unsicherheit.

Das ist kein zwangsläufiger Verlauf. Nicht jeder technisch schwächere Spieler steigt aus. Doch das Beispiel zeigt, wie eng sportliche und soziale Entwicklung miteinander verbunden sein können. Hier muss auch noch der Faktor berücksichtigt werden, dass in der C-Jugend häufiger noch weniger Mannschaften und damit Kaderplätze zur Verfügung stehen. Nicht jeder Verein kann eine C2 oder C3 melden, in der vielleicht auch weniger gut ausgebildete Jugendliche spielen können. Und in den oberen Mannschaften reicht es dann oft nicht für genügend Spielzeit.

Warum der Dropout im Jugendfußball bereits in der E- und D-Jugend beginnen kann

Hier liegt ein Problem, über das im Amateurfußball zu wenig gesprochen wird. Viele Kinder durchlaufen jahrelang das Vereinstraining, ohne die wichtigsten fußballerischen Grundlagen ausreichend zu entwickeln. Sie nehmen regelmäßig am Training teil. Sie spielen am Wochenende. Das sind positive soziale Erlebnisse. 

Sie lernen vielleicht bestimmte Spielzüge und Positionen kennen. Aber lernen sie wirklich, Fußball zu spielen? Können sie den Ball unter Gegnerdruck kontrollieren? Sind sie in der Lage, sich aus engen Situationen zu lösen? Können sie beidfüßig passen und den Ball verarbeiten? Erkennen sie einfache Spielsituationen und finden eigenständig Lösungen?

Oder wurden diese Grundlagen im Training vernachlässigt?Gerade in der E-Jugend und D-Jugend werden dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen. In diesen Altersklassen sollte die individuelle Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Die Kinder benötigen viele Ballkontakte, technisch anspruchsvolle Aufgaben, zahlreiche Spielsituationen und regelmäßige Erfolgserlebnisse.

Stattdessen sieht man auf manchen Sportplätzen einen anderen Schwerpunkt: Trainer investieren viel Zeit in Mannschaftsaufstellungen, feste Spielsysteme, Standardsituationen und das nächste Punktspiel. Die leistungsstärksten Kinder übernehmen die entscheidenden Aufgaben. Andere spielen auf Positionen, auf denen sie möglichst wenige Fehler machen. Das kann kurzfristig sogar erfolgreich sein. Die Mannschaft gewinnt Spiele. Der Trainer ist zufrieden. Die Eltern freuen sich. Aber was passiert mit den Kindern, die dabei fußballerisch zu wenig lernen?

Ein gewonnenes E-Jugend-Spiel ist kein Beleg für gute Ausbildung. Entscheidend ist, welche Fähigkeiten die einzelnen Kinder über die Saison hinweg entwickelt haben. Und genau diese Perspektive sollte ein Trainer einnehmen.

Natürlich darf man nicht jeden Ausbildungsrückstand einem früheren Trainer anlasten. Trainingshäufigkeit, unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten, Verletzungen, zusätzliche Spielpraxis und individuelle Voraussetzungen spielen ebenfalls eine Rolle.

Trotzdem tragen Vereine und Trainer eine erhebliche Verantwortung dafür, welche Lerngelegenheiten Kinder im Verein erhalten.

Was Kinder in der E- und D-Jugend wirklich lernen müssen

Eine gute fußballerische Ausbildung ist kein Hexenwerk. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Kinder grundlegende Fähigkeiten regelmäßig und unter wechselnden Bedingungen anwenden. Dazu braucht es die Gelegenheit und viel Geduld. Dazu gehören insbesondere:

1. Ballbeherrschung und Technik

Dribbling, Richtungswechsel, Finten, Ballan- und -mitnahme, Passspiel und Torschuss müssen systematisch entwickelt werden. Dabei sind beide Füße einzubeziehen.

2. Orientierung und Wahrnehmung

Kinder sollen lernen, vor und während einer Aktion Informationen aufzunehmen. Wo steht der Gegner? Wo befindet sich der Mitspieler? Welcher Raum ist frei?

3. Individualtaktisches Verhalten

Im 1 gegen 1, 2 gegen 2 und 3 gegen 3 lernen Kinder, eigene Entscheidungen zu treffen, Gegner zu überwinden, Mitspieler einzusetzen und defensiv richtig zu handeln.

4. Handlungsschnelligkeit

Technik allein genügt nicht. Spieler müssen lernen, technische Fähigkeiten auch unter Gegnerdruck, Zeitdruck und in wechselnden Spielsituationen einzusetzen. Viele kleine Spielformen helfen dabei.

5. Mut und Selbstständigkeit

Kinder brauchen die Möglichkeit, Fehler zu machen, Risiken einzugehen und verschiedene Lösungen auszuprobieren. Wer bei jedem Fehlpass kritisiert wird, entwickelt kaum die Sicherheit, selbstbewusst Fußball zu spielen.

Dafür eignen sich vor allem kleine, variable Spielformen mit hoher Beteiligung, vielen Ballaktionen und wiederkehrenden Entscheidungssituationen. Gezielte Technikübungen ergänzen diese Spielformen dort, wo bestimmte Bewegungsabläufe verbessert werden müssen. Wichtig ist ein systematischer Trainingsaufbau. Die Grundlagen dürfen nicht nur gelegentlich vorkommen, sondern sollten über Monate und Jahre weiterentwickelt werden.

Der unterschätzte Faktor: Athletik und Gesundheit

Neben technischen und taktischen Defiziten gibt es einen weiteren Bereich, der im Kinderfußball häufig nicht genügend Aufmerksamkeit erhält: die allgemeine motorische und athletische Ausbildung.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, bereits Zehnjährige wie erwachsene Leistungssportler zu trainieren. Es geht um eine vielseitige, altersgerechte Bewegungsausbildung. 

Kinder sollten lernen, sicher zu laufen, zu springen, zu landen, abzubremsen, die Richtung zu wechseln und ihren Körper in unterschiedlichen Situationen zu kontrollieren. Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Schnelligkeit und altersgerechte Kraftentwicklung gehören deshalb zur Ausbildung junger Fußballer. Besonders wichtig ist dabei die Qualität der Bewegungen.

Ein Kind, das beim Landen kaum Stabilität besitzt, beim Abstoppen die Körperkontrolle verliert oder sich bei schnellen Richtungswechseln schwer koordinieren kann, braucht entsprechende Lern- und Trainingsreize. Wer solche Grundlagen nicht entwickelt, kann später Schwierigkeiten bekommen, die steigenden athletischen Anforderungen des Jugendfußballs zu bewältigen. Es besteht die Gefahr von erhöhten Verletzungsrisiken.

In der Pubertät verschärft sich dieses Problem möglicherweise durch Wachstumsschübe und die damit verbundenen Veränderungen von Körperproportionen, Belastbarkeit und Bewegungskoordination. Dabei liefert die Sportwissenschaft überzeugende Argumente für eine frühzeitige Gesundheitsförderung.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zum Präventionsprogramm FIFA 11+ Kids aus dem Jahr 2022 zeigte eine deutliche Reduktion des Verletzungsrisikos bei jungen Fußballspielern gegenüber gewöhnlichen Aufwärmprogrammen. Das relative Gesamtrisiko lag in den untersuchten Studien bei etwa 0,52. Das entspricht einer relativen Risikoverminderung von ungefähr 48 Prozent. Solche Ergebnisse zeigen, dass gezieltes Training bereits im Kinderfußball sinnvoll ist, im Jugendalter umso mehr. 

Dazu gehören beispielsweise Gleichgewichtsaufgaben, Sprung- und Landetechniken, Stabilisationsübungen, Laufkoordination und kontrollierte Richtungswechsel.

Gesundheitsförderung und athletische Ausbildung sind keine zusätzlichen Luxusangebote für leistungsorientierte Vereine. Sie gehören zu einer verantwortungsvollen Kinder- und Jugendausbildung.

Allerdings muss wissenschaftlich unterschieden werden: Die verletzungsvorbeugende Wirkung entsprechender Programme ist gut untersucht. Dass fehlendes Athletiktraining in der E- und D-Jugend unmittelbar zu einem späteren Vereinsausstieg führt, lässt sich daraus allein nicht beweisen.

Warum die C-Jugend zum kritischen Zeitpunkt wird

In der C-Jugend treffen mehrere Entwicklungen aufeinander. Die Jugendlichen befinden sich in einer Phase erheblicher körperlicher, psychischer und sozialer Veränderungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen des Fußballspiels. Das kann Entwicklungsunterschiede deutlich sichtbar machen.

Ein frühreifer Spieler ist seinen Mannschaftskameraden körperlich möglicherweise vorübergehend überlegen. Ein anderer entwickelt Schnelligkeit, Kraft und Körpergröße erst später. Wenn Trainer diese Unterschiede nicht berücksichtigen, können falsche Leistungsbewertungen entstehen (Relative Age-Effekt. RAE).

Besonders problematisch wird es, wenn körperlich weit entwickelte Spieler bevorzugt werden und technisch entwicklungsfähige, aber momentan körperlich unterlegene Jugendliche kaum Einsatzzeit bekommen.

Hinzu kommt die soziale Dimension.

Jugendliche vergleichen ihre Leistungen stärker mit denen ihrer Mitspieler. Anerkennung innerhalb der Gruppe gewinnt an Bedeutung. Ein Spieler, der sich zunehmend als schwach erlebt, kann auch seinen sozialen Status innerhalb der Mannschaft gefährdet sehen.

Eine Untersuchung mit 519 Fußballspielerinnen im Alter von 10 bis 19 Jahren zeigte, dass insbesondere ein schwach ausgeprägtes lern- und entwicklungsorientiertes Trainingsklima mit höherer Dropout-Neigung verbunden war. Eine geringe wahrgenommene sportliche Kompetenz verstärkte dieses Risiko unter ungünstigen motivationalen Bedingungen.

Damit wird deutlich, welche Verantwortung Trainer besitzen.

Ein Trainer kann durch seine Trainingsgestaltung Fähigkeiten entwickeln und Selbstvertrauen fördern. Er kann durch seinen Umgang mit Fehlern, seine Kommunikation und seine Entscheidungen über Einsatzzeiten aber auch Unsicherheit und Ausgrenzung verstärken. So kann er dazu beitragen, dass Jugendliche langfristig Freude an ihrem Sport haben.

Der Fehler vieler Vereine: Sie reagieren erst, wenn Spieler aufhören

Wenn eine C- oder B-Jugend immer weniger Spieler hat, wird häufig nach kurzfristigen Lösungen gesucht. Man bildet Spielgemeinschaften, versucht neue Spieler zu gewinnen oder spricht mit Jugendlichen, die bereits aufgehört haben. Solche Maßnahmen können notwendig und sinnvoll sein.

Sie greifen jedoch zu spät, wenn die Ursachen bereits über mehrere Jahre entstanden sind. Ein Verein, der seine Jugendlichen langfristig halten möchte, muss deshalb früher ansetzen. Er muss sich fragen, welche Ausbildungsqualität die Kinder in der F-, E- und D-Jugend erhalten. 

  • Werden wirklich alle Kinder gefördert oder hauptsächlich die aktuell stärksten Spieler?
  • Gibt es ein gemeinsames Ausbildungskonzept oder arbeitet jeder Trainer nach eigenen Vorstellungen?
  • Werden technische und motorische Grundlagen regelmäßig überprüft und weiterentwickelt?
  • Sind die Trainer dafür qualifiziert?
  • Und gibt es eine Vereinsstruktur, die sicherstellt, dass ein Trainerwechsel nicht jedes Mal zu einer völlig anderen Ausbildungsphilosophie führt? 

Diese Fragen sind nicht nur für ambitionierte Leistungsvereine wichtig. Gerade Breitensportvereine benötigen eine gute Ausbildung, weil sie langfristig auf möglichst viele Jugendliche angewiesen sind, als Aktive, Helfer und irgendwann einmal als Ehrenamtliche im Verein.

Sieben Maßnahmen, mit denen Vereine den Dropout reduzieren können

1. Die Ausbildung in E- und D-Jugend verbindlich strukturieren

Vereine sollten grundlegende Ausbildungsziele für die einzelnen Altersklassen festlegen. Dabei geht es nicht um starre Übungskataloge, sondern um technische, taktische, motorische und soziale Entwicklungsziele für die jeweilige Altersklasse.

2. Individuelle Entwicklung höher bewerten als Spielergebnisse

Der Erfolg einer Kindermannschaft darf nicht nur an Tabellenplätzen gemessen werden. Entscheidend ist, ob alle Kinder über eine Saison Fortschritte machen und ausreichend Möglichkeiten erhalten, das Gelernte im Spiel anzuwenden. Das sollte immer wieder anhand der Entwicklungsziele der Altersklasse überprüft werden. 

3. Athletik und Verletzungsprävention früh integrieren

Koordination, Gleichgewicht, Lauftechnik, Sprung- und Landekontrolle sowie altersgerechte Kraftentwicklung sollten regelmäßig Teil des Trainings sein. Das lässt sich oft spielerisch oder in kurzen, gezielten Trainingsblöcken umsetzen.

4. Trainer besser ausbilden und begleiten

Nicht jeder Jugendtrainer benötigt eine hohe Lizenz. Aber jeder Trainer sollte die grundlegenden Entwicklungsbedürfnisse seiner Altersklasse kennen. Vereinsinterne Fortbildungen, Hospitationen, gemeinsame Trainingsplanung und ein fachlicher Austausch zwischen den Altersklassen können die Ausbildungsqualität verbessern.

5. Ausbildungsdefizite auch in der C-Jugend noch bearbeiten

Ein Spieler, der mit 13 Jahren Schwierigkeiten bei der Ballverarbeitung oder Koordination zeigt, ist nicht zu spät dran. Trainer sollten vorhandene Defizite erkennen und gezielt daran arbeiten, statt den Spieler dauerhaft auf seine Schwächen zu reduzieren.

Individualisierte Aufgaben, differenzierte Spielformen und passende zusätzliche Lerngelegenheiten können helfen, verlorenes Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Das gilt umso mehr, wenn das Wachstum für Einschränkungen in der Bewegungskoordination sorgt.

6. Die soziale Integration aktiv fördern

Mannschaftszusammenhalt entsteht nicht automatisch. Trainer sollten auf Ausgrenzung, negative Gruppendynamiken und dauerhaft ungleiche Beteiligungsmöglichkeiten achten.

Jeder Spieler braucht eine erkennbare Rolle und das Gefühl, ein wertvoller Teil der Mannschaft zu sein. Eine positive Lernatmosphäre mit einer guten Mischung von Anspruch und Lockerheit hilft dabei.

7. Flexible Wege im Jugendfußball ermöglichen

Nicht jeder Jugendliche möchte dauerhaft dreimal pro Woche trainieren und am Wochenende unter hohem Leistungsdruck spielen. 

Vereine können durch unterschiedliche Leistungs- und Trainingsangebote, Kooperationen oder flexiblere Teilnahmemodelle dazu beitragen, dass Jugendliche trotz veränderter Interessen im Fußball bleiben. Dass das natürlich auch Ressourcen erfordert, ist klar, vielleicht lassen sich solche Themen aber auch dadurch lösen, dass man sich als Trainer flexibel abstimmt.

Trainerqualität ist auch eine soziale Verantwortung

Im Kinder- und Jugendfußball wird die Bedeutung des Trainers oft an den Ergebnissen seiner Mannschaft gemessen. Hat er die Meisterschaft gewonnen? Spielen seine Kinder schönen Fußball? Ist die Mannschaft erfolgreich? Diese Kriterien sagen nur begrenzt etwas darüber aus, wie gut ein Trainer Kinder tatsächlich entwickelt. 

Ein guter Jugendtrainer muss auch daran gemessen werden, ob seine Spieler technische Fortschritte machen, körperlich vielseitiger und belastbarer werden, Selbstvertrauen entwickeln und langfristig Freude am Fußball behalten.

Das bedeutet nicht, dass jeder Jugendliche durch bessere Trainerarbeit im Verein gehalten werden könnte. Es wird immer junge Menschen geben, die andere Interessen entwickeln, ihren Sport wechseln oder aus persönlichen Gründen aufhören.

Aber Vereine müssen unterscheiden zwischen Jugendlichen, die sich bewusst für einen anderen Weg entscheiden, und solchen, die sich vom Fußball abwenden, weil sie sich dort nicht mehr kompetent, erfolgreich oder zugehörig fühlen. Gerade die zweite Gruppe sollte auch beachtet werden.

Fazit: Wer Jugendliche halten will, muss Kinder zuerst mal besser ausbilden

Der Dropout ab der C-Jugend ist kein ausschließliches Pubertätsproblem. Er hat soziale, persönliche und sportliche Ursachen, die sich gegenseitig verstärken können.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Beziehung zum Trainer, positive sportliche Erfahrungen und die Zugehörigkeit zur Mannschaft wichtige Faktoren für den langfristigen Verbleib im Fußball sind. Für Vereine ergibt sich daraus eine klare Aufgabe.

Die Dropout-Prävention beginnt nicht erst in der C-Jugend. Sie beginnt bereits im Kinderfußball – mit einer altersgerechten, vielseitigen und systematischen Ausbildung.

Wer in der E- und D-Jugend technische Grundlagen vernachlässigt, zu wenig Wert auf Koordination, Athletik und Gesundheit legt oder kurzfristige Siege über individuelle Entwicklung stellt, riskiert, dass Spieler später mit den gestiegenen Anforderungen nicht mehr Schritt halten können.

Diese Defizite können sportliche Misserfolge und sinkendes Selbstvertrauen begünstigen. Kommen soziale Probleme innerhalb der Mannschaft hinzu, kann daraus ein schleichender Ausstieg entstehen.

Die wichtigste Aufgabe eines Kindertrainers ist deshalb nicht, möglichst viele Spiele zu gewinnen. Sie besteht darin, möglichst vielen Kindern die Fähigkeiten, das Selbstvertrauen und die Freude zu vermitteln, die sie brauchen, um auch als Jugendliche noch Fußball spielen zu wollen.

Eine gute Kinderfußballausbildung ist damit nicht nur Talentförderung. Sie ist zugleich Gesundheitsförderung, Persönlichkeitsentwicklung und eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit unserer Fußballvereine.


Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur

1. Pahmeier, I. et al. – Ausstiegsgründe von Jugendlichen aus dem Fußballsport. Vom DFB veröffentlichte Zusammenfassung zweier Untersuchungen zu Dropout, sozialer Bindung, Trainerverhalten und sportlichem Selbstkonzept. DFB – Forschungsergebnisse zum Dropout (PDF)

2. Back, J., Johnson, U., Svedberg, P., McCall, A. & Ivarsson, A. (2022). Drop-out from team sport among adolescents: A systematic review and meta-analysis of prospective studies. Psychology of Sport and Exercise, 61, 102205. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2022.102205

3. Exploring psychosocial risk factors for dropout in adolescent female soccer (2022). Untersuchung mit 519 jugendlichen Fußballspielerinnen zum Zusammenhang zwischen motivationalem Klima, wahrgenommener Kompetenz und Dropout. https://doi.org/10.1080/24733938.2022.2088843

4. Why do students drop out of regular sport in late adolescent? The experience of a systematic review (2024). Systematische Literaturübersicht zu individuellen, sozialen und organisatorischen Einflussfaktoren. https://doi.org/10.3389/fpubh.2024.1416558

5. Effects of the FIFA11+ Kids Program on Injury Prevention in Children: A Systematic Review and Meta-Analysis (2022). Metaanalyse zur Wirksamkeit neuromuskulärer Verletzungsprävention im Kinderfußball. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36231344/

Porträt von Daniel
Über den Autor: Daniel

DFB-A-Lizenz-Trainer und BDFL-Mitglied mit viel Erfahrung im Kinder-, Jugend- und Amateurfußball. Zu meinen Trainerstationen gehören der SV Waldhof Mannheim, der TSV Neckarau und acht Jahre als DFB-Stützpunkttrainer. Meine Schwerpunkte sind Spielprinzipien, Coaching und die systematische Entwicklung junger Kicker.

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