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Wie spielen gegen welches System?

Mit welchem Spielsystem und welcher Taktik sollte man gegen ein anderes Spielsystem in Offensive und Defensive bestehen können? Was ist die beste Aufstellung und das passende taktische Verhalten? Hier einige Ansätze dazu, in welchen Räumen und mit welchen Positionen sich Möglichkeiten ergeben können bei den Spielsystemen

  • 4-4-2 (flache Vier)
  • 4-4-2 (Raute)
  • 4-2-3-1
  • 4-3-3
  • 3-5-2

Um ein Spiel zu gewinnen, ist die Taktik zwar wichtig, aber oft können auch individuelle Stärken bzw. einzelne Spieler, Standardsituationen, Glück und Pech den Ausschlag geben. Jedes Spielsystem hat gegen jedes andere Vor- und Nachteile. Zugrunde liegt oft die Frage, ob man auf die eigenen Stärken setzt (dem Gegner sein Spiel aufzwingt) oder auf Fehler bzw. Schwächen des Gegners lauert. Im Idealfall passt das gut zusammen, wenn man z. B. als Mannschaft mit guten Außenstürmern gegen eine Mannschaft mit eher schwachen Außenverteidigern spielt. Hier nun einige gängige Systeme (mit Viererkette) in der Gegenüberstellung.

4-4-2 mit flacher Vier – der Klassiker unter den modernen Spielsystemen

4-4-2 System mit flacher Vier - Stärken und Schwächen

4-4-2 System mit flacher Vier – Stärken und Schwächen

Stärken: doppelt besetzte Flügel, kurze Laufwege, kompakte Formation, Ausgewogenheit => sehr gut zum Verteidigen geeignet und oft genutzt als Formation für gelenktes Mittelfeldpressing.

Schwächen: in der Offensive schwer, Bindung zwischen Mittelfeld und Stürmern zu kriegen, Aufbau oft über Außen, Zentrales Mittelfeld muss eigentlich mit zwei Box-to-Box-Spielern besetzt sein

Mehr zum 4-4-2 mit flacher Vier:

4-4-2 System mit flacher Vier im Fußball – Formation und Taktik

4-4-2 (flache Vier) gegen 4-4-2 (flache Vier) – taktische Optionen:

  • direktes Aufeinandertreffen der verschiedenen Position bei der flachen Vier (z. B. Außenverteidiger und Außenspieler)
  • Fokus des Spielaufbaus über die Außenverteidiger, da die beiden Stürmer im Normalfall keine andere Spielaufbauoption zulassen
  • Außenverteidiger müssen versuchen, schnell auf ballnahen Sechser oder Offensivreihe zu spielen (Pressinggefahr)

4-4-2 (flache Vier) gegen 4-4-2 (Raute)

  • Nutzung der doppelt besetzten Flügel
  • schnelle Verlagerung gegen die Verschiebebewegung der Raute
  • Spielen von Diagonalbällen bei enger Raute/Defensive
  • Spielaufbau über die Außenverteidiger, die ggf. Räume am Flügel nutzen können

4-4-2 (flache Vier) gegen 4-2-3-1

  • Unterzahl der flachen Vier im Mittelfeld
  • bei eigenen tiefen 6ern Spielaufbau über die 6 gegen einen 10er

4-4-2 (flache Vier) gegen 4-3-3

  • Nominelle Überzahl im Mittelfeld, allerdings breitere Staffelung
  • dadurch bei schnellem Umschalten und schnellen Seitenwechseln die Möglichkeit viel Platz zu schaffen im Zentrum, sowie auf den Außenbahnen („hinter“ der Sturmreihe)

4-4-2 (flache Vier) gegen 3-5-2

  • Doppelt besetzte Außenbahnen gegen einen gegnerischen Außenspieler => Spiel über Außen bietet sich an
  • zwei Stürmer gegen drei Verteidiger im Sturmzentrum
  • Im Zentrum eher Unterlegenheit, da 2 zentrale Mittelfeldspielern drei Gegnern gegenüberstehen
  • Nutzung der geringeren Breite der Kette, wenn Gegner nicht schnell genug umschaltet
    => diagonale Verlagerungen und schnelle Umschaltaktionen nach Ballgewinn am Flügel

4-4-2 mit Raute – Spielsystem für kurze Mittelfeldkombinationen

4-4-2 System mit Raute - Stärken und Schwächen

4-4-2 System mit Raute – Stärken und Schwächen

Stärken: kompakte Formation, gute Staffelung im Mittelfeld => sehr gut zum Dominieren des Mittelfeldes geeignet; gute Dreiecksbildung für Kurzpass-Kombinationsspiel und kurzen Spielaufbau über Innen und Außen möglich.

Schwächen: Flügel oft nur mit Außenverteidigern besetzt, klarer Fokus auf dem Zentrum; nur 1 Sechser vor der Abwehr (außer man spielt defensiv als 4-3-1-2-System).

4-4-2 mit Raute gegen 4-4-2 (flache Vier)

  • Nutzung der Räume zwischen den beiden Ketten, wenn die Sechser zu hoch spielen.
  • Spiel über Außenspieler auf den Halbpositionen und im Zentrum.
  • Spiel in die Tiefe auf die beiden Stürmer, die einlaufen

4-4-2 mit Raute gegen 4-4-2 (Raute)

  • direktes Aufeinandertreffen der verschiedenen Position bei der Raute
  • Betonung individueller Spielstärke und Kombinationsfreude im engen Mittelfeld, tendenziell viele 1 gegen 1- Situationen
  • Fokus auf dem Spielaufbau über die Außenverteidiger, weil das Zentrum tendenziell dicht ist

4-4-2 mit Raute gegen 4-2-3-1

  • kein Spielaufbau über den Sechser möglich
  • Spielaufbau über Außenverteidiger und Innenverteidiger
  • gefährlich, wenn die Außenspieler im Mittelfeld breit spielen und in den Rücken der Gegner kommen

4-4-2 mit Raute gegen 4-3-3

  • Überzahl im zentralen Mittelfeld
  • schnelles Spiel über das Zentrum möglich, insbesondere über den 6er
  • Überzahl sowohl innen als auch außen leicht herstellbar, wenn die 6er gut verschieben
  • Gefahr von schnellen Gegenstößen des Gegners bei Ballverlust (nur einfache Absicherung)

4-4-2 mit Raute gegen 3-5-2

  • Überzahl im zentralen Mittelfeld => Chancen für Kombinationsspiel im Zentrum und über die Halbpositionen, wenn Gegner nicht kompakt einrückt
  • Ggf. weites Aufrücken des Außenverteidigers, um gegnerischen Außenspieler früher zu stellen
  • generell Gefahr von Flügelangriffen des Gegners
  • Situatives Verschieben der Halbspieler auf den Flügel und Nutzen der Überzahl im Zusammenspiel mit dem Außenverteidiger
  • Verteidigen/Lenken der beiden Stürmer nach Innen, um gegnerischen Aufbau über Außen zu unterbinden

4-2-3-1 System – der Standard aktueller Spielsysteme

4-2-3-1 System - Stärken und Schwächen

4-2-3-1 System – Stärken und Schwächen

Stärken: günstige Staffelung im Mittelfeldzentrum (situativ 1-2, 1-1-1, 2-1 möglich), dennoch auch Chancen durch offensive Außenspieler

Schwächen: Nicht einfach zu spielen, weil viel Abstimmungsbedarf; Ausgewogenheit zwischen  Offensive und Defensive muss erarbeitet werden; Fokus auf Fähigkeiten der Einzelspieler, besonders bei den Flügelspielern (1 gegen 1-Fähigkeiten)

Taktik des 4-2-3-1-Systems im Fußball Teil 1: Offensivtaktik

4-2-3-1 gegen 4-4-2 (flache Vier)

  • Überzahl im Zentrum und zwei Reihen im Mittelfeldzentrum gegen eine gegnerische Reihe; dadurch schnelles Kombinationsspiel zwischen die gegnerischen Viererketten, wenn die Spieler in Bewegung sind, insbesondere der 10er.
  • Wenn die Außenverteidiger weit aufrücken, kann auf dem Flügel in Gleichzahl agiert werden.
  • In der Defensive zentraler Defensivblock mit 4 Spielern gegen 3 gegnerische Offensivspieler (ein Sechser im 4-4-2 wird sich eher etwas defensiver Verhalten)
  • Gefährlich: Wenn die Außenspieler nicht schnell genug nach hinten arbeiten, ergeben sich auf dem Flügel 1 gegen 1- oder sogar 1 gegen 2-Situationen

4-2-3-1 gegen 4-4-2 (Raute)

  • schnelle Spielverlagerung nötig, um auf Außen Freiräume zu erhalten; dadurch ergeben sich Räume auf dem Flügel
  • Spielaufbau über die Flügel, da Zentrum zugestellt ist (je nach Verhalten der Außenspieler)
  • Die Breite Formation kann helfen, die gegnerische Raute auseinander zu ziehen.
  • Nutzen von 1 gegen 1-Situationen am Flügel, wenn begabte Spieler vorhanden sind

4-2-3-1 gegen 4-2-3-1

  • zwei 6er gegen einen 10er, dadurch Möglichkeiten für die Mannschaft, die bessere Spieler im Zentrum aufbieten kann
  • bei schnellem Spielaufbau gefährliche Angriffe über beide Flügel möglich, wenn erste Defensivreihe überspielt werden kann
  • In der Defensive ggf. Wechsel auf ein 4-4-2 System für gelenktes Mittelfeldpressing

4-2-3-1 gegen 4-3-3

  • Spielaufbau über die beiden Sechser möglich, wenn ballsicher genug (Achtung: Pressing nach Innen)
  • Bei schnellem Spiel doppelte Überzahl im Mittelfeld möglich, wenn die Außenstürmer nicht rechtzeitig zurückkommen
  • Räume auf den Halbpositionen, wenn  die Abstimmung zwischen gegnerischem zentralen und äußerem Mittelfeld misslingt.

4-2-3-1 gegen 3-5-2

  • gleiche Zahlenverhältnisse der Mannschaftsteile gegeneinander (3 Verteidiger gegen 1 Stürmer, 4 Verteidiger gegen 2 Stürmer)
  • Chancen durch Nachrücken der Verteidiger (dann doppelt besetzter Flügel) bei schneller Spielverlagerung über die Viererkette (überspielen des zentralen Mittelfeldes)
  • Gefahr durch zu weit aufgerückte Außenspieler
  • Anspiel auf zentralen Stürmer, der auf nachrückende 10 ablegt => Druck auf die Dreierkette, wenn Sechser nicht tief genug spielen

4-3-3 – der Newcomer aus den 70ern

4-3-3 System Stärken und Schwächen

4-3-3 System Stärken und Schwächen

Stärken: gute Staffelung im Mittelfeldzentrum (1-2, 2-1 möglich); Offensivreihe mit 3 Stürmern besetzt: gute Voraussetzungen für Flügelspiel und Spiel durch das Zentrum

Schwächen: je nach Verhalten der Stürmer schwach besetzte Außenpositionen vor der Kette, offene Räume auf den defensiven Halbpositionen; lange Abstände von Außenstürmer zu Außenverteidiger => nicht unbedingt kompakt, weite Wege zur Unterstützung nach vorne

4-3-3 gegen 4-4-2 mit flacher Vier

  • Spiel über die Halbpositionen kann gut funktionieren, wenn Außenstürmer entsprechend nach Innen ziehen
  • im Zentrum Überzahl durch 3 zentrale MF-Spieler (gegen 2 Gegner), dadurch ggf. besseres Spiel zwischen die Linien möglich
  • Beim Pressing können Außenbahnen aus dem Spiel genommen werden, wenn Angreifer geschickt nach Innen lenken

4-3-3 gegen 4-4-2 (Raute)

  • Spielaufbau über die Außenverteidiger, da die Raute oft eng steht => Außenbahn frei
  • so ist schnelles Überspielen des MF möglich, wenn die Raute offensiv agiert
  • im Zentrum dominiert die Raute => Spiel über die Flügel nutzen (inkl. Aufrücken der Außenverteidiger)

4-3-3 gegen 4-2-3-1

  • schnelles Überspielen des MF möglich, wenn die Sechser im Zentrum blieben und nicht auf der Außenbahn aushelfen
  • wenn die Sechser tief gebunden werden ist ein schnelles Spiel durchs Zentrum möglich (überspielen des Zehners im Zentrum, wenn die Außenspieler nicht weit genug einrücken)
  • Einzelduelle auf der Außenbahn (Flügelstürmer gegen Außenverteidiger)

4-3-3 gegen 4-3-3

  • direktes Aufeinandertreffen der verschiedenen Position im Mittelfeld
  • Vorteile durch verschiedene Varianten der Mittelfeldformation (2-1, 1-2, 1-1-1) möglich
  • Vorteile durch schnelle Seitenwechsel in der Viererkette möglich
  • gute Chancen für Angriffspressing auf die Viererkette, wenn Mittelfeld kompakt mitarbeitet

4-3-3 gegen 3-5-2

  • unwahrscheinlich, dass dieses Duell vorkommt
  • 3 breit spielende Stürmer gegen 3 eng stehende Verteidiger => Nutzen der Außenstürmer, wenn äußere Mittelfeldspieler nicht tief genug spielen (kein 5-3-2 des Gegners)
  • Vorteile durch schnelle Seitenwechsel in der Viererkette möglich (Überzahl auf den Außenpositionen)
  • im zentralen Mittelfeld 3 gegen 3-Situation
  • gute Chancen für Konterräume bei Ballverlust des Gegners

3-5-2 System – Spielsystem mit Dreierkette

3-5-2 System - Stärken und Schwächen

3-5-2 System – Stärken und Schwächen

Stärken: gut gestaffelt in Breite und Tiefe, dadurch gute Chancen für Passdreiecke; Zwei Stürmer sorgen für viel Präsenz im Zentrum; kompaktes Mittelfeldzentrum.

Schwächen: weite Abstände, lange Laufwege; einfach besetzte Flügel, weswegen Defensive oder Offensive außen leiden; ggf. hohes Risiko gegen Zwei-Stürmer-Systeme

Mehr zum 3-5-2 System:

Spielsystem 3-5-2

3-5-2 gegen 4-4-2 mit flacher Vier

  • Nutzung der Überzahl im Zentrum, um die Mittelfeldkette zu überspielen
  • je nach Spielanlage hohes Spiel der Außenspieler (Druck auf die Viererkette) oder
  • Tiefes Spiel der Außenspieler, um Gegner kommen zu lassen
  • hoher Laufaufwand auf der Außenbahn und Unterzahl am Flügel
  • Gute Chancen für hohes Pressing hohes auf den Außenbahnen

3-5-2 gegen 4-4-2 mit Raute

  • Raum für individuelle Aktionen auf den Außenbahnen
  • wenn Außenspieler einrücken sogar Überzahl im Mittelfeld gegen die Raute möglich
  • im Zentrum muss Passspiel der Raute unterbunden werden, damit kein Spiel auf die Stürmer stattfindet
  • Passwege in die Tiefe auf die Stürmer können mit zwei Sechsern zugestellt werden

3-5-2 gegen 4-2-3-1

  • Kampf ums Mittelfeldzentrum (3 gegen 3)
  • Auf der Außenbahn Unterlegenheit gegen Außenspieler und Außenverteidiger, wenn diese zusammen attackieren
  • schnelle Anspiel auf die beiden Stürmer, wenn gegnerische 6er zu weit aufrücken
  • 3 Innenverteidiger haben 1 Stürmer kontrollieren
  • Breiter Aufbau über Innenverteidiger, wenn gegnerische Außenspieler zurückfallen.

3-5-2 gegen 4-3-3

Hinweis: Die wenigsten Trainer würden mit einer Dreierkette gegen drei gegnerische Stürmer spielen.

  • 3 gegen 3 in der Abwehr, es sei denn, man füllt konsequent auf Viererkette oder Fünferkette auf (funktioniert nur, wenn man etwas tiefer steht).
  • gegebenenfalls Räume auf den Halbpositionen, wenn die Außenspieler einrücken.
  • Konterchancen gegen die Außenverteidiger, wenn die Außenstürmer aufgerückt sind
  • Möglichkeiten, die Außenstürmer abzuschneiden, wenn die Außenspieler die gegnerischen Außenverteidiger hoch anlaufen

3-5-2 gegen 3-5-2

  • Wahrscheinlich ein klarer Fokus auf den individuellen Stärken der Flügelspieler
  • umkämpfter Raum in der Mitte, dadurch Chancen durch situative Orientierung eines zentralen Mittelfeldspielers nach außen auf die Halbposition
  • schnelles Spiel auf die Spitzen, um zentrales Mittelfeld zu überspielen => 6er müssen Passwege ins zentrum effektiv unterbinden
  • ggf. Ausweichen eines Stürmers auf den Flügel, um Überzahl herzustellen bzw. die Dreierkette auseinander zu ziehen

Die Hinweise oben geben Anhaltspunkte zu möglichen Chancen bestimmter Spielsysteme gegen andere Spielsysteme. Dabei gibt es oft Ähnlichkeiten und Parallelen im taktischen Verhalten und den Optionen in Offensive und Defensive. Falls ihr weitere Details über Systeme erfahren wollt und euch auch taktische Interpretationen einzelner Systeme reinziehen wollt, dann schaut auf jeden Fall mal bei den Taktikfüchsen von spielverlagerung.de vorbei, z. B. zum Thema Formationen und ihrer strukturellen Vor- und Nachteile.

Es kommt in jedem Fall darauf an, wie man das eigene Spielsystem interpretiert und welche taktischen Verhaltensweisen man von seiner Mannschaft einfordert. Und natürlich kommen individuelle Komponenten hinzu (Fähigkeiten der Einzelspieler). Denn einer schlechten Mannschaft hilft auf Dauer auch kein passendes Spielsystem. Und am Ende geht es dann doch 11 gegen 11 mit allen Unwägbarkeiten, die ein Spiel so mit sich bringt.

Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

1 Kommentar

  1. Pingback: Spielsysteme im Fußball | Fußball-Training-Blog.

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