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WM 2018: Die Strategien der vier besten Nationalmannschaften

Am 14. Juni ist es wieder so weit, wenn die Weltmeisterschaft 2018 in Russland angepfiffen wird. Seit der Gründung der FIFA-Weltmeisterschaft des Herrenfußballs im Jahre 1930 wurden 20 Turniere abgehalten, wobei es allerdings nur acht verschiedene Nationalmannschaften gab, die jemals den Pokal erkämpfen konnten. Als Rekordgewinner führt Brasilien die Liste mit fünf Titelgewinnen an und ist außerdem die einzige Mannschaft, die bislang in jedem Turnier vertreten war. Deutschland und Italien folgen mit jeweils vier Titeln, wobei es die Azzurri besonders hart getroffen hat, da sie das erste Mal nach 60 Jahren nicht bei einer WM dabei sein werden. Argentinien und Uruguay erreichten zwei Titel. England, Frankreich und Spanien gewannen jeweils einen. In der kommenden WM sind außer Italien alle Ex-Weltmeister wieder vertreten und natürlich ist auch der amtierende Weltmeister Deutschland dabei. Deutschland wird darum kämpfen seinen Titel zu verteidigen, während jede andere Mannschaft natürlich genau das verhindern will. Besonders gute Chancen haben hier natürlich die Favoritenteams. Welche Strategien und Trainingsmethoden setzen die stärksten Fußballmannschaften also ein, um der nächste Weltmeister zu werden?

Die Gewinnchancen der Teams im Überblick

Vermutungen alleine reichen nicht

Zuerst einmal muss überhaupt geklärt werden, wer zu den stärksten Mannschaften zählt und damit zu den Favoriten gehört. Natürlich sollte es nicht verwunderlich sein, Deutschland hier ganz oben in der Liste zu finden, wenn man den Erfolg der WM 2014 in Brasilien bedenkt. Selbst wer nicht für „Die Mannschaft“ war kam nicht drum herum, die sportliche Leistung des Teams anzuerkennen. Doch der Erfolg einer Mannschaft alleine ist nie ausreichend, um daraus Schlüsse für ein Turnier zu ziehen, welches in einem Abstand von vier Jahren stattfindet. Während dieser Zeit kann eine Menge passieren. Daher kann es hilfreich sein sich die Statistiken von Buchmachern anzuschauen. Mithilfe von Wettquoten ist man in der Lage die Gewinnchancen eines Teams bestimmen zu können, da man eine statistische Aussage über die aktuelle Lage eines Teams erhält. Hier werden verschiedene Faktoren mit einberechnet, wie die generelle Situation der Mannschaft, die Gesundheit der Spieler aber auch die spielerische Leistung der einzelnen Spieler und der Mannschaft als Ganzes.

Wer Deutschland gefährlich werden kann

Ein genauer Blick auf die Quoten verrät die Liste der Favoriten. Wie zu erwarten war, hat Deutschland die besten Chancen mit einer Gewinnerquote von 5,75. Allerdings steht die Nationalelf hier nicht alleine da, da den Brasilianern mit einer Quote von ebenfalls 5,75 die gleichen Chancen eingeräumt werden. Dies zeigt, dass man sich nicht nur auf die reine Intuition verlassen darf, denn die Seleção konnte sich von dem großen Debakel im Halbfinale gegen Deutschland in der WM 2014 erholen. Dies wurde besonders offensichtlich, nachdem Brasilien im letzten Freundschaftsspiel in der Lage war, die deutsche Nationalmannschaft in Berlin zu besiegen. Die Symbolkraft dieses Spiels sollte man dabei nicht außer Acht lassen, zumal das Spiel wie eine Art Befreiungsschlag gewesen ist und ebenfalls als Testspiel vor der WM betrachtet werden kann.
Nach den beiden Kontrahenten haben Frankreich (7,5) und Spanien (8,0) die besten Erfolgsaussichten. Es folgen Argentinien (11,0), Belgien (13,0) und England (19,0). Jede dieser Mannschaften hat sich in Turnieren schon beweisen können und sollte daher nicht unterschätzt werden. Gastgeber Russland wird mit einer Quote von 51,0 wohl nicht viele Chancen auf einen Sieg haben.

Strategien & Training der stärksten Teams bei der WM 2018

Deutschland

Noch ist unklar, wie genau Joachim Löw die Mannschaft aufstellen wird. Dabei hat er jedoch die Qual der Wahl, da der deutsche Talentpool aus einer großen Anzahl von guten Spielern besteht. Dies gibt Deutschland eine taktische Tiefe und macht die Mannschaft unberechenbar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Löw die Mannschaft im Kern ähnlich zusammenstellen wird wie bei der WM 2014. Das Training der Deutschen läuft dabei effizient ab und zielt auf die Perfektion der Technik und den Kollektivgeist ab. Die gesamte Mannschaft trainiert immer als Ganzes, ungeachtet von der Mannschaftsaufstellung, weshalb Ausfälle mühelos ersetzt werden können. Hinzu kommt, dass auch andere Sportarten wie das Radfahren ins Training eingebunden werden, um die Ausdauer und Beinmuskulatur zu trainieren.

Brasilien

Das Land ist bekannt für seinen kunstvollen Fußball, doch spielte man hier häufiger mit Improvisation anstatt fester Strategien. Dies spiegelte sich auch am eher konfusen Trainingsregiment wieder, weshalb der neue Trainer Tite die Mannschaft nach dem Desaster bei der WM 2014 komplett umbaute. Das Training ist nun nicht mehr zufällig gestaltet, weshalb Brasilien fußballerisch nun endlich im 21. Jahrhundert angekommen ist. Im Zentrum des Teams steht die 4-1-4-1 Strategie, bei der Trainer Tite gewisse Spieler wie Neymar, Casemiro, Gabriel Jesus oder Paulinho als Schlüsselfiguren einsetzt, die vom Rest des Teams unterstützt werden sollen. Passspiele, Flanken und Chancenvorbereitung für die Topspieler stehen hier in Fokus. Im Gegensatz zu Deutschland setzt man also auf eine spielerbasierte Strategie, die sehr effizient sein kann aber keine Tiefe aufweist.

Frankreich

Die größte Stärke Frankreichs besteht darin defensiv zu spielen und auf Konterchancen zu warten und hierfür die Geschwindigkeit zu nutzen. Allerdings fehlt den „Les Bleus“ häufig die Fähigkeit, Spiele mit der gleichen Autorität kontrollieren zu können, so wie es Deutschland oder Brasilien schaffen. Daher haben sie ihre Trainingsrunden besonders darauf ausgerichtet ihre Technik auszufeilen und die Koordination zwischen Verteidigung, Mittelfeld und Sturm zu üben. Das technische Potenzial ist hier gegeben, denn die Verteidigung ist solide und die Franzosen haben ein starkes Mittelfeld um Pogba und Kanté, sowie einen gefährlichen Sturm mit Griezmann oder Mbappé. Trainer Deschamps weiß, dass Koordinationstraining hier alles ist um auch die letzten Schwächen überwinden zu können.

Spanien

Nach einer enttäuschenden Leistung bei der WM 2014 und der EM 2016 hat „La Roja“ es geschafft sich wieder zu fangen. Anders als jedoch bei anderen Teams, hat Trainer Julen Lopetegui die Mannschaftsstrategie und Trainingspläne nicht komplett umgebaut. Ganz im Gegenteil, denn so fahren ein Großteil der Spieler aus der EM 2016 nach Moskau. Es ist eine Art Angriff nach vorne, denn Lopetegui fokussiert sich hier auf die Essenz dessen, was Spanien so erfolgreich im Fußball machte und zielt mit der gleichen Mannschaftsbesetzung auf alt bewährte Strategien. Hierzu gehört ein rigoroses Passtraining, denn die Spanier sind jetzt schon als Meister der kurzen und schnellen Pässe bekannt, bei der sie auf engem Raum die gegnerische Verteidigung durchbrechen wollen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass Deutschland sehr organisiert vorgeht und universal trainiert, um nicht von einzelnen Spielern abhängig zu werden. Hierbei stehen Disziplin und Technik im Vordergrund. Brasilien verfolgt eine andere Strategie und setzt auf ein Teamwork, bei dem Schlüsselspieler das Spiel beschleunigen und kontrollieren sollen, während sie vom Rest des Teams unterstützt werden. Eine Balance aus brasilianischer Kunst gepaart mit neuer Disziplin soll hier weiterhin den Erfolg bringen. Frankreich kennt seine Stärken und hat sich dazu entschlossen an seinen Schwächen zu arbeiten, um technikstarken Teams wie Deutschland oder Brasilien besser begegnen zu können. Spanien scheint hier besonders hervor, da die Mannschaft trotz Rückschlägen bei alten Strategien bleibt und bewährte Stärken ausbauen will.

Autor:

Schwarzmaler, Chefkritiker, A-Lizenz

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