Suche
  • Fußball - Training und Taktik:
  • Fußball-Training, Trainer, Fußball-Fachwissen.
Suche Menü
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (13) | Bewertung: 4,77/5
Jetzt bewerten!
Loading...

Pressing Grundlagen: Auslöser, Lenken, Zonen, Ablauf


Ziel des Pressings im Fußball ist es, durch geschicktes planvolles taktisches Verhalten den Gegner so zu lenken und unter Druck zu setzten, dass der Ball gewonnen werden kann. In Ballnähe soll eine Überzahlsituation hergestellt werden. Diese wird dann durch aggressives Attackieren (oft auch: Doppeln) zum Ballgewinn genutzt. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, wie das geschehen kann.

Eine erste wichtige Frage ist, in welcher mannschaftstaktischen Aufstellung Sie im Spiel und beim Pressing agieren wollen. Davon abhängig müssen dann die einzelnen Phasen des Pressing heruntergebrochen und erarbeitet werden. So ist es etwa beim Spiel mit drei Stürmern häufig so, dass der Gegner in die Mitte gelenkt wird, da man auf den Außenbahnen eher offener ist.

Bei einer Viererkette im Mittelfeld und zwei Stürmern bietet sich an, den Gegner nach außen anspielen zu lassen, um denn in einer zweiten Phase den Ball innen zu gewinnen. Dieses klassische 4-4-2-System im Fußball bietet ein gute Balance aus starker Mitte und starker Außenbahn, insbesondere, wenn ein Stürmer zusätzlich situativ das Zentrum des verstärkt und das Pressing unterstützt.

1. Kompakte Grundformation für das Pressing

Entscheidend für das Gelingen des Pressings ist, dass die Spieler relativ nah beieinander spielen, d.h. dass die Abstände nicht größer als 8-12 Meter in der Breite und maximal 15 Meter in der Tiefe sind (Kompaktheit, Abbildung 1). Damit ist gewährleistet, dass sich die Spieler gegenseitig absichern und auch Überzahlsituationen herbeiführen können. Sind die Abstände zu groß, kommt ein Spieler ggf. zu spät, um einen Pass oder eine Ballannahme zu unterbinden, der Gegner spielt sich durch.

Abbildung 1: Kompakte Grundformation

2. Auslösen des Pressings

Den Spielern muss klar ist, wann sie das Pressing starten sollen/müssen. Beispielsweise bei einem Anspiel auf einen ganz bestimmten Spieler des Gegners (Pressingopfer), einem Pass in eine ganz bestimmte Zone, ein schlecht verarbeitetes Zuspiel (Stockfehler) oder auch generell bei einem Rückpass des Gegners. Wichtig ist nun, dass die Spieler der eigenen Mannschaft diese Schlüsselsituation für das Pressing schnell erkennen. Die Signale und die entsprechende schnelle Reaktion müssen im Training konsequent und kontinuierlich erarbeitet und verbessert werden. Die Spieler müssen auch wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn das Pressing nicht funktioniert wie geplant.


Beispiel:
Vorgabe: „Wir attackieren direkt mit dem Anspiel nach außen den gegnerischen Außenverteidiger (auf beiden Seiten). Ausnahme: Wir erkennen, dass er den Ball schnell und sicher verarbeiten kann, dann lassen wir uns kompakt zurückfallen.“

3. Steuerung/Lenken bzw. Aktionsraum und Pressingzonen

Wichtig ist auch, wo und wie Pressing gespielt werden soll. Zuerst einmal sollte klar sein, wie der Gegner gelenkt wird (abhängig vom Spielsystem), d.h. welche Pässe zugelassen und verhindert werden sollen und wo dann der Ballgewinn erzielt werden sollen (außen oder im Zentrum, weit in der gegnerischen Hälfte bzw. eher in der Nähe der Mittellinie).
Für den Ballgewinn im Zentrum spricht, dass von hier aus das Einleiten einer Kontersituation leichter ist bzw. dass schnelle Spielverlagerungen besser möglich sind.

Misslingt das Pressing im Zentrum, dann erhält der Gegner unter Umständen eine Kontermöglichkeit in zentraler Position. Die „sichere“ Pressing-Variante ist demnach der Versuch, den Ball auf der Außenposition zu gewinnen, da auch bei Misslingen der Situation der Gegner einen weiten Weg zum Tor hat. Wenn man allerdings nach außen verteidigt, kann es passieren, dass man mehr Bälle auf seine Kette gespielt bekommt.

Greift man schon weit in der gegnerischen Hälfte an, spricht man von Offensivpressing oder Angriffspressing, in der Nähe der Mittellinie von Mittelfeldpressing und tief in der eigenen Hälfte von Abwehrpressing. Alle Varianten haben ihre Vor- und Nachteile bzw. Chancen und Risiken.

4. Exemplarischer Ablauf (Variante im 4-4-2):

a) Stürmer (11) lenkt den Gegner nach außen (Pass auf den Außenverteidiger provozieren), äußerer Mittelfeldspieler (7) läuft offensiv an und lenkt Gegner in die Mitte (Risikopass ins Zentrum oder Dribbling nach innen), der Rest der Mannschaft rückt nach innen ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach außen lenken, attackieren

c) (11) stellt den Rückpass zum Innenverteidiger zu(!), gleichzeitig macht Stürmer (9) die Mitte zusätzlich stark, im Zentrum gewinnen (10), (6) und (9) gemeinsam den Ball (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ballgewinn im Zentrum

d) Nach Ballgewinn schnelles Umschalten, um die Kontersituation (5 gegen 5) zu nutzen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Umschalten/Konterangriff

Das Verhalten der Stürmer beim Mittelfeldpressing kann auch unterschiedlich gestaltet werden, wie im Artikel Mittelfeld-Pressing: Stürmer und Zehner oder zwei Stürmer? aufgezeigt wird.

5. Verhalten bei Scheitern des Pressings

Pressing unterbrechen (geschicktes Anlaufen bzw. auch taktisches Foul) und schnellstmöglich wieder hinter den Ball kommen (alle Spieler der Mannschaft), Gegner vom Tor weg drängen, um Zeit für die kompakte Grundformation zu gewinnen.

Artikel bewerten:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (13) | Bewertung: 4,77/5
Jetzt bewerten!
Loading...




Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

60 Kommentare

  1. Super Danke!
    Wie sieht die Spieleröffnung im 4-2-3-1 aus?
    Grundsatz (maximale) Breite und Tiefe schaffen.
    Die Innenverteidiger gehen auseinander und die Aussenverteidiger rücken auf und schieben zur Seitenlinie.

    Wo sollten sich die Aussenstürmer positionieren? An der Seitenlinie, um maximale Breite zu schaffen oder leicht nach innen eingerückt?

    Sportliche Grüße

  2. Hallo Daniel!

    Eine Frage zum „Ballgewinnspiel“:
    Spielt man, wenn man diese Philosophie verfolgt permanent auf Ballgewinn (Torverhinderung nur Minimalziel; Hauptziel Balleroberung) oder gibt es ,Spielsituationen‘ in den sich die Prioritäten ändern, und dir Torsicherung höhere Priorität vor dem Ballgewinn hat (z.b wenn der Gegner sich im Zentrum aufgedreht hat u.ä.).

    Danke im Voraus!
    Gruß Paco

    • Ich denke, dass man nicht permanent auf Ballgewinn spielen kann (Kraftaufwand, psychische Belastung). Selbst Spitzenmannschaften nehmen zwischendurch mal das Tempo raus und lassen den Gegner ein wenig kommen. Aber der Schwerpunkt liegt auf dem Ballgewinn, insbesondere, wenn das Spiel noch nicht entschieden ist. Wenn der Gegner sich aufdreht, dann muss man sehen, wie gut gestaffelt man steht und ob man in dieser Situation erstmal verzögern muss oder ob man direkt wieder pressen kann. Situative Entscheidung!

  3. Also ist es nicht zu empfehlen, dass die eigenen Außenstürmer im 4-2-3-1 zwecks Variabilität im Angriff (wie Robben und Ribery manchmal bei den Bayern) die ballferne Seite im Angriff „verlassen“ und auf den ballnahen Flügel rücken zwecks Überzahl und die Zuordnung des Gegners zu erschweren?

    Sollte die offensiven Spieler also nur nach „Absprache“ rochieren und nicht „willkürlich“?

    Liebe Grüße

  4. Freue mich schon sehr auf den Artikel!
    Wäre super, wenn du auch auf das Defensiverhalten im 4-2-3-1 eingehen würdest. Das Ballgewinnspiel im 4-2-3-1 :-) Wäre suuuuppper ;-)

  5. Hey Daniel!

    Wie sieht ein kreatives, flexibles und variables Offensivspiel im 4-2-3-1 aus?

    Liebe Grüße

    • Die Antwort auf diese Frage würde sicherlich den Rahmen der Kommentarfunktion sprengen. Darüber könnte man wahrscheinlich mehrere Bücher schreiben.
      Bin gerade dabei, ein paar Besonderheiten des 4-2-3-1 zusammenzufassen.

      Grüße
      Daniel

      • Super!!!! Dann freue ich mich auf den Artikel ;-)

      • Ich habe nämlich gelesen, dass das „schöne“ an diesem System erst zu Geltung kommt, wenn der Offensiven Dreiherreihe (oder sogar dem Quartett) bei eigendem Ballbesitz alle Freiheiten gibt. Dann taucht auch mal der rechte Aussenstürmer am linken Flügel auf (z.B. Robben bei den Bayern) und der 10er in der Sturmspitze.
        Nachteil die ballferne Seite ist komplett frei. Vorteil man ist ballnah in Überzahl und kann bei einem möglichen Ballverlust sofort gegen pressen. Oder?
        Sind diese flexiblen Positionswechsel zu empfehlen?
        Gerne auch im Artikel zu beantworten ;-)

      • Hallo zusammen

        Kann mam sich das überhaupt „erlauben“, dass der ballferne Aussenstürmer seinen Flügel verlässt und ins Zentrum bzw. auf den anderen Flügel rückt?
        Sollten bzw. müssen nicht ständig alle Positionen besetzt sein?
        Thomas

      • Auf den anderen Flügel sicher nicht, aber mit dem Ziel der Torsicherung bestimmt bis in die Mitte…

Kommentare sind geschlossen.