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Mittelfeld-Pressing im 4-3-3-System

Das Pressing im 4-3-3-System läuft anders als im 4-4-2 (Artikel zum Pressing im 4-4-2). Das Spiel mit 3 Stürmern ist defensiv etwas risikoreicher, da weniger Spieler hinter dem Ball sind und die Außenbahnen potentiell weniger gut abgesichert sind.
Ein mögliche Variante ist es, im 4-3-3 nach innen zu verteidigen, d.h. den Gegner zu einem Pass in das Zentrum zu provozieren, wo man dann aggressiv auf Ballgewinn spielt. Diese Variante soll hier kurz erläutert werden.

Defensiv-Grundformation im 4-3-3

Abbildung 1: Defensiv-Grundformation im 4-3-3

Voraussetzung: kompakte Grundformation

Zu Beginn (Situation: Tor-Abstoß o.ä.) sollte eine kompakte Grundformation der Mannschaft im 4-3-3 hergestellt werden, was ja einer der wichtigsten Grundsätze der Defensive im modernen Fußball ist. Die Außenstürmer sind etwas zur Mitte eingerückt, das 3er-Mittelfeld steht sehr eng im Zentrum des Spielfelds. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind gering, die wichtigen Räume in der Mitte sind gut abgedeckt.

Beginn/Einleiten der Pressingaktion im 4-3-3:

Wir nehmen an, der Ball wird auf den halbrechten Innenverteidiger gespielt, dann startet das Pressing: Stürmer (10) setzt den Innenverteidiger (4) durch schräges Anlaufen unter Druck. Sein Ziel ist es, einen kurzen Pass ins Mittelfeld zu provozieren. Stürmer (11) stellt den Passweg auf den rechten Außenverteidiger zu, Stürmer (9) bedroht den Querpass auf den halblinken Innenverteidiger bzw. den entfernten Außenverteidiger bzw. sorgt dafür, dass dieser Pass für den Gegner möglichst risikoreich ist d.h. eigentlich nicht gespielt werden kann (Abbildung 2). Die Innenverteidiger müssen aufmerksam sein, um nicht durch einen langen Ball auf die Stürmer überrascht zu werden.

4-3-3 Einleiten der Pressingaktion

Abbildung 2: Einleiten der Pressingaktion

Attackieren/Ballgewinn beim Mittelfeldpressing im 4-3-3:

Spielt Innenverteidiger (4) diesen kurzen Ball, dann schnappt die Falle zu: Mittelfeldspieler (8) und (6) attackieren den Ballführer aggressiv , auch (10) und (11) orientieren sich in Richtung Ball und stellen die relevanten Passwege zu. (7) sichert gegen eine Spielverlagerung auf die linke Seite ab, (3) hat ein Auge auf den äußeren Mittelfeldspieler, ohne die Unterstützung des eigenen Innenverteidigers zu vernachlässigen (wachsam lauern).

Ballgewinn im 4-3-3

Abbildung 3: Ballgewinn im 4-3-3

Bei diesem hohen Ballgewinn durch Pressing in der Nähe der Mittellinie besteht die Chance, durch einen schnellen Ball in die Tiefe auf die startenden (9), (10) oder (11) sofort torgefährlich zu werden (ungeordnete Deckung des Gegners). Hierin liegt die große Stärke dieser Pressingvariante im 4-3-3. Funktioniert das Pressing allerdings nicht, sind bis zu 6 Spieler der Mannschaft vor dem Ball, sodass hier ein großes Risiko für gegnerische Torchancen besteht.

Voraussetzungen für das Pressing im 4-3-3

Um im 4-3-3-System auch defensiv gut zu spielen braucht man fleißige und lauffreudige Stürmer, die Zweikämpfe annehmen und auch gewinnen können. Weiß man, dass ein Gegner über starke Außen-, aber eher spielschwächere Innenverteidiger verfügt, kann diese Variante des Pressing ebenfalls Sinn machen als Alternative dazu, den Ball auf die Außenverteidiger zuzulassen.

Die drei Stürmer im 4-3-3 ermöglichen situatives Angriffspressing, wenn die eigene Mannschaft in Rückstand liegt oder der Gegner verunsichert oder sofort unter Druck gesetzt werden soll. Mit den drei Stürmer ist es möglich, die Innenverteidiger direkt anzulaufen und gegebenenfalls schon sehr früh einen Ballverlust zu provozieren.



Autor:

DFB A-Lizenz, BDFL, Talentförderung, Mannheim.

40 Kommentare

  1. Also ist es die zentrale Aufgabe eines 6er wenn das Pressing missglückt ist und der Gegner im Zentrum aufgedreht hat Ihn unter Druck zu setzen und in Tiefenstaffelung zusammen mit dem anderen 6er und dem ballnahen Mittelfeldaußen (Abwehdreieck) ein Zuspiel in die Tiefe zu verhindern. Er wird dabei auch schräge angelaufen um ein Zuspiel nach außen in den torungefährlichen Raum zu provozieren. Spielt der Gegner den Pass nach außen wird er vom ballnahen 6er, Außenstürmer und gegebenfalls AV gedoppelt. Richtig?

    Wird also nur innerhalb der Viererkette (von den beiden IV) der Gegner wenn er sich auf zentraler Position befindet auf seinen schwachen Fuß gelenkt? Und im Mittelfeld grundsätzlich nach außen?

    • Würde ich so spielen lassen! In Tornähe immer Torsicherung vor riskantem Ballgewinn! Schlägt das Pressing fehl, muss immer zuerst das Tor gesichert werden!

      Grüße Thomas

  2. Hey Trainer

    „Ich denke auch, er sollte den attackierenden 6er im Rücken absichern und nicht nur den Passweg nach außen schließen. Vielmehr soll ja ein Anspiel ins Zentrum/in die Tiefe verhindert werden“.

    Verstehe ich dich richtig, dass wenn sich der Ball zentral befindet unbedingt ein Pass in die Tiefe zu einer Sturmspitze verhindert werden muss? Verteidigt man also nach außen, „bietet also den Pass nach außen an und vestellt den Pass in die Tiefe“?

    Versucht man den nicht gerade den ballführenden Gegener am Flügel zum Doppeln ins Zentrum zu lenken?

    Bitte um Erklärung.
    Grüße Rainer ;-)

    • Hi Rainer,
      das kann ich erklären:

      1. Beim Nach-innen-Lenken ist die Aktion gut vorbereitet und läuft planmäßig ab. Der Stürmer hat den Ball nach außen provoziert, der äußere Mittelfeldspieler ist rechtzeitig angelaufen, attackiert und die 6er stehen geordnet und kompakt. So ist der Ballgewinn im Zentrum wahrscheinlich.

      2. Befindet sich der Ball aber nun im Zentrum, so dass der Gegner konstruktiv weiterspielen kann (er hat aufgedreht, Pressing hat nicht funktioniert), dann rückt für mich wieder die Torverteidigung vor den Ballgewinn. Und Torverteidigung heißt zuerst einmal, den Ball aus dem Raum vor dem Tor und dem 16er zu halten. Deshalb lasse ich meine Spieler die Mitte stark machen und den Gegner nach außen drängen. Ich halte das in dieser Situation für die bessere Variante, denn ein Anspiel auf die Stürmer bedeutet immer Torgefahr bzw. die Gefahr von Standards in Strafraumnähe.

      Grüße
      Daniel

      • Okay verstanden :-)

        Schlägt das Pressing fehl und der Gegner kann sich im Zentrum aufdrehen, so stellt man Passwege in die Tiefe zu und drängt den Gegner in den torungefährlichen Raum am Flügel ab.
        Dort wird dann der Ballgewinn angestrebt.

        Du hast geschrieben, das der Abstand in der Breite zwischen Risiko und Sicherheit ungefähr bei 15 Meter liegt. Kann ich daraus ableiten, dass ich wenn ich mein Spiel auf „Risiko“, Chance auf Konter, mein ballferne Mittelfeldaußen situativ auch mal 6,7 Meter jenseits des Mittelkreises positioniert sein kann, oder ist das zu weit weg?

        Grüsse Rainer

      • „Drängt“ man den Gegner nach außen ab, indem Die beiden 6er durch eine leichte Tiefenstaffelung das Zentrum schließen?

      • Das Abdrängen nach außen funktioniert einerseits durch Schließen des Zentrums (der Gegner sieht keine Chance, sich durchzuspielen und spielt dann nach außen) und andererseits im direkten Zweikampf, indem man den Gegner betont schräg/seitlich unter Druck setzt und so den Pass nach außen provoziert.

      • Ich denke, das ist nicht zu weit. Dass es so nicht okay ist, weißt du erst, wenn du ein Gegentor gekriegt hast. Probier’s aus. Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen. :-)

  3. Danke!
    Also kann man wenn man eine offensive (risikoreiche) Spielphilosophie verfolgt seinen Außenstürmern die Anweisung geben, dass sie grundsätzlich breit (also in der Nähe des Mittelkreises) und vor dem Ball bleiben sollen (Chance auf Konter). Und erst wenn man mit dem Ergebnis zu frieden ist einrücken und sich hinter den Ball fallen lassen sollen.

    Das sie sobald sich das spiel auf ihre Seite bzw. ins Zentrum verlagert einrücken und verteidigen müssen ist ja klar.

    Grüße!

    • Und auf was waren die 15 Meter bezogen?
      15 Meter von der Mittelinie in die Breite oder maximal 15 Meter vor dem Ball (tiefe)? :)

      • Die 15 Meter sind der Unterschied zwischen Sicherheit und Risiko beim Einrücken in der Breite! Aber nur sehr grob. :-)

  4. Danke!

    Also „muss“ der ballferne Mittelfeldaußen nicht zwingend geschlossen mit verschieben, sondern sich so positionieren, dass er die Lücke zu seinem ballnahen 6er schließen kann, sobald sich das Spielgeschehen auf seine Seite verlagert anderseits, so dass er
    nach vorne für den schnellen Ballgewinn (Spielverlagerungen/schneller Ball in die Spitze) verfügbar ist?
    Richtig?
    Grüße!

    • Ja, so macht das für mich Sinn. Es ist eben ein bisschen Risiko dabei, aber durchaus kalkulierbar.

      • Wunderbar :-)

        Wo wäre dann seine ideale Position? Und vor oder hinter dem Ball? Schon vor dem Ball oder?

        Sportliche Grüße!

      • Je nachdem, was gerade wichtig ist: Sicherheit (hinter dem Ball) oder die Chance auf Konter (vor dem Ball).
        Aber eigentlich ist die Frage nicht zu beantworten, da situativ sehr unterschiedlich, würde ich sagen.

      • Und in der Breite? Wie weit „muss“ er einrücken?

        Konter/Sicherheit

        Grüße!

      • Ich würde sagen, Sicherheit = bis kurz über die Mitte, Konter = in der Nähe aber noch außerhalb des Mittelkreises, alles in allem ein Unterschied von gut 15 Metern nach meiner Rechnung. ;-)

  5. Hallo zusammen

    Das nur die ballnaheseite zum Ball schieben soll höre/lese ich zum ersten Mal.
    Ist das ein neuer Trend? Und ist das wirklich zu empfehlen?

    Ist es nicht oberstes Ziel der Defensivarbeit ist es, egal mit welcher Grundformation man spielt, geschlossen zum Ball zu verschieben? Dadurch verengt man die Aktionsräume des Gegners und verzögert den Angriff.

    Bitte um Ratschlag!

    • Würde auch eher geschlossen verschieben.
      Aber vielleicht nicht mit überall extrem kurzen Abständen.

      • Hey Trainer

        Muss in Systemen die das Zentrum massiv verstärken (4-4-2 flach, 4-2-3-1, 4-2-1-3, 4-3-2-1, 4-3-1-2 usw.)
        Überhaupt notwendig, dass sich der ballferne Mittelfeldaußen am Defensivspiel seiner Mannschaft beteiligt, wenn sich der Ball auf dem anderen Flügel befindet.

        Meiner Meinung nach besteht seine Defensivaufabe darin den Ballführenden Gegner ins Zentrum zu lenken und falls er überspielt wurde zusammen mit dem AV den Gegner zu doppeln.

        Befindet sich der Ball auf zentraler Position solltet er hinter dem Ball auf einer Höhe mit den 6ern sein um Passwege nach außen zu schließen. Er bildet also ein Abwehrdreieck mit dem ballnahen 6er.

        Das Zentrum ist meiner Meinung nach durch die Doppel 6 stes gut gesichert.

        Oder? Kann man so spielen?

        Lg
        Rainer

      • Das geht wohl schon, aber ich sehe die Gefahr, dass der ballferne Mittelfeldspieler, wenn er nicht einrückt (bei Ball am anderen Flügel), nicht mehr eingreifen kann, wenn im Zentrum etwas schiefgeht.
        Ich denke auch, er sollte den attackierenden 6er im Rücken absichern und nicht nur den Passweg nach außen schließen. Vielmehr soll ja ein Anspiel ins Zentrum/in die Tiefe verhindert werden.

      • Sie empfehlen also, wenn ich das hier richtig verstanden habe, dass der ballferne Mittelfeldaußen zuerst einrücken sollte (wie weit?) wenn der Ball im Zentrum ist. Und sobald sich das Spiel auf den anderen Flügel verschiebt das Spiel „breit“ machen, zwecks Anspielstation nach einem Ballgewinn.

        Verlagert sich das Spiel allerdings wieder, sollte er einrücken und den attackierenden 6er in tiefenstaffelung absichern.

        Richtig?

        Wie weit sollte er einrücken und wann sollte er hinter dem Ball sein? Also im 4-4-1-1 statt 4-2-3-1?
        Und wann kann er vor dem Ball sein, also in
        einem 4-4-1-1 mit vorgeschobnen Mittelfeldaußen?

        Danke im Vorraus!

      • Nun, „empfehlen“ ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, ich spiele das eben so. ;-) Ich lasse den äußeren Mittelfeldspieler nicht bis zur Mitte einrücken (nur im Ausnahmefall), eher weniger. Aber er macht das Spiel erst wieder wirklich breit, wenn sich ein Ballgewinn andeutet. Wenn er zu früh wieder nach außen geht, öffnet er ja den Raum für den Gegner. Er muss also sehr genau die Entwicklung der Spielsituation beobachten und dann die richtigen Entscheidungen treffen…nicht einfach!

        Defensiv spielt er immer zumindest auf Ballhöhe, damit er noch eingreifen kann, d.h. niemals vor dem Ball. Aber er soll eben auch nicht zu tief spielen, damit er bei Ballgewinn nach vorne starten kann, ohne zu weite Distanzen bewältigen zu müssen. Ich denke, man sollte sich auch nicht zu sehr daran festhalten, ob das nun ein 4-4-1-1 oder ein 4-5-1 oder ein 4-2-3-1 ist. Wichtig ist meiner Meinung nach, welche Aufgaben die einzelne Position hat. Lasse ich den Außenstürmer sehr defensiv spielen, dann wird er ja dadurch nicht automatisch zum äußeren Mittelfeldspieler, wenn er in der Offensive wiederum sehr weit vorne spielt. Ich finde, der Fokus sollte ganz eindeutig auf den individuellen Aufgaben der Position liegen, aber das nur als ganz allgemeine Anmerkung.

        Und zum Schluss noch ein ganz wichtiger Punkt: man muss sich zuerst einmal anschauen, wer auf der entsprechenden Position spielt, wie gut er taktisch geschult ist, und wo seine Stärken und Schwächen liegen und auch, was/wen der Gegner dagegen aufbietet (Stichwort Spielbeobachtung). Auf Basis dieser Variablen kann ich dann entscheiden, wie weit ein Spieler einrücken sollte, wie früh er öffnet etc. Das sollte bei allen Diskussionen über taktische Verhaltensregeln nicht vergessen werden.

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